„Die pädagogischen Mitarbeiter gehören zum Erfolgsgeheimnis“
GESUNDBRUNNEN. In einer ehemaligen Zündholzmaschinenfabrik in der Osloer Straße 12 finden Kinder seit 1997 einen besonderen Erlebnisbereich: Auf rund 1000 Quadratmetern ist das Labyrinth Kindermuseum Berlin untergebracht, das seitdem mit viel beachteten Ausstellungen einen festen Platz in der Berliner Veranstaltungsszene hat.
Den jungen Besuchern werden Themen auf altersgerechte Weise näher gebracht – in übernommenen Ausstellungen und seit 2000 vor allem in eigenen „Labyrinth“-Produktionen. Vor wenigen Wochen schied die langjährige Leiterin Roswitha von der Goltz aus. Nachfolgerin ist Ursula Pischel, die ebenfalls schon seit vielen Jahren dort tätig ist.
Das Labyrinth-Kindermuseum ist eine Erfolgsgeschichte: rund 80 000 Besucher jährlich, mehr als eine Million seit der Gründung.
Worauf führen Sie diese positive Resonanz in erster Linie zurück?
U. Pischel: Es sind sicherlich viele Faktoren, die das Labyrinth Kindermuseum zu dem gemacht haben, was es heute ist. Einige Punkte möchte ich jedoch gesondert aufführen:
1. Jede Ausstellung bietet Kindern und Erwachsene spannende und zeitgemäße Themen, die in immer wieder neuen Kulissen zum Tragen kommen.
2. Die Spiel- und Lernangebote orientieren sich an den Lerngewohnheiten und den Interessen der Kinder.
3. Bei allen Ausstellungen wird nicht nur Augenmerk auf die Inhalte, sondern auch auf die ästhetisch, kindgerechte Präsentation, gelegt.
4. Ein Erfolgsgeheimnis sind die pädagogischen Mitarbeiter. Einerseits führen sie die Besucher durch die Inhalte und auf der anderen Seite geben sie allen großen und kleinen Museumsgästen ihre individuellen Freiräume, die Inhalte und Themen selber entdecken und ausprobieren zu können. Die anderen engagierten Mitarbeiter sind selbstverständlich auch nicht zu vergessen!
5. Wir versuchen, Kindern, Bildung als etwas aufregendes, spannendes und bereicherndes zu verkaufen! Ich glaube das ist einer der wichtigsten Punkte, mit dem wir Schulen, Kindertagesstätten, andere Einrichtungen, Privatbesucher und in den Ferien auch zahlreiche Touristen erreichen.
Sie laden an jedem Sonntag kostenlos Kinder aus dem Kiez ein. Welche Idee steckt dahinter?
U. Pischel: Das Labyrinth Kindermuseum Berlin engagiert sich im Bezirk und trägt zum Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung bei – mit außergewöhnlichen Projekten, die über Jahre und freiwillig vom Museum geleistet werden wie z.B. mit dem Projekt „Kiezkinder im Labyrinth“. Dieses Projekt wird seit 2005 von unserem Mitarbeiter Joao Albertini betreut. Die „Kiezkinder“, das sind 80-90 Mädchen und Jungen aus dem Soldiner Kiez. Zur Erinnerung: Der Soldiner Kiez gehört zu den Kiezen mit der „schlechtesten sozialen Lage“ in der Stadt (Platz 426 von 434, s. Tagesspiegel vom 22.01.2010). Die Kinder kommen aus türkischen, arabischen oder serbokroatischen Familien und können das Kindermuseum einmal pro Woche am Sonntag kostenlos besuchen. Für viele dieser Mädchen und Jungen ist das Kindermuseum eine der ganz wenigen öffentlichen, anspruchvollen und nicht-kommerziellen Einrichtungen im nahen Wohnumfeld, die sie am Wochenende besuchen können. Die zum Teil „schwierigen“ Kinder erlernen feste Regeln im Umgang mit ihren Freunden, den Pädagogen und den Museumsbesuchern. Durch die kontinuierliche Arbeit fühlen sie sich im Kindermuseum wohl und akzeptiert. Die Kinder kommen während des laufenden Museumsbetriebs, werden so Teil des öffentlichen Kulturlebens, werden nicht separiert nach dem Motto „Dich nehmen wir mal lieber beiseite“.
Unter einem „Museum“ stellen sich viele Erwachsene ja etwas anderes als die Angebote im „Labyrinth“ vor. Ist der Begriff eigentlich zutreffend?
U. Pischel: Auch wenn die meisten Menschen unter „Museum“ einen Ort der Ruhe und Beschaulichkeit verstehen, bin ich froh und stolz, genau diese Begrifflichkeiten mit den Angeboten des Kindermuseums, in einen neuen Kontext zu setzen und den Ort „Museum“ zeitgemäß für Kinder umzusetzen.
Vor einigen Jahren haben andere Teile des Konzepts aufgegriffen und ein „MachMit-Museum“ nicht weit entfernt in Prenzlauer Berg eröffnet. Ärgerlich oder Bestätigung für Ihre Arbeit?
U. Pischel: An dieser Stelle muss ich Sie korrigieren, denn das MachMit-Museum in Prenzlauer Berg gibt es seit 1992 unter dem Namen ‚Kinder & JugendMuseum und war bis zum Jahr 2000 in der Schivelbeiner Straße im Prenzlauer Berg ansässig. Ende 2000 sind sie dann an ihren heutigen Standort, die Eliaskirche umgezogen. Wir arbeiten zu unterschiedlichen Themen und bereichern damit die Stadt Berlin.
Bislang haben sie zehn Ausstellungen gestaltet. Werden Sie jetzt – als Geschäftsführerin – auch noch dazu kommen und ist schon etwas als Nachfolger für die jetzige Cornelia-Funke-Ausstellung in Planung?
U. Pischel: Selbstverständlich werde ich weiterhin die Ausstellung konzipieren. Es wird sicher etwas anders aussehen als in den letzten 10 Jahren. Frau von der Goltz und ich waren einfach ein winning team und jetzt muss ich erstmal schauen, wie die Lücke mit anderen Personen gefüllt werden kann. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass es uns gelingen wird.
Zum neuen Thema möchte ich in diesem Moment noch nichts sagen.
Wird es auch weiterhin workshops für Lehrer und Erzieher geben? Sehen Sie für sich als „Kindermuseum“ einen Auftrag als Weiterbildungsanbieter?
U. Pischel: Noch bis Mai 2012 wird es das umfangreiche Fortbildungsangebot zur aktuellen, sehr erfolgreichen Ausstellung „Frische Tinte – Reckless und was davor geschah“ geben. Das Programm für 2012 und 2013 wird in den nächsten Monaten festgelegt. Die Fortbildungen haben sich im Lauf der Jahre als ein wichtiger Bestandteil des Museums entwickelt. Mit den Angeboten haben wir die Möglichkeit, Eltern, Erzieher und Pädagogen auf andere Weise zu erreichen und Sie ebenfalls für unsere Themen zu interessieren und Ihnen Ideen an die Hand zu geben, die Arbeit in den Einrichtungen weiter führen zu können.
Frau Pischel, vielen Dank (die Fragen an die neue Leiterin des Labyrinth-Kindermuseums stellte NORD-BERLINER-Redakteur Michael Fischer).





Frau Pischel scheint genau die richtige Wahl zu sein. Bisher kannte ich sie nur aus dem Kunstbereich und hier hatte sie bereits schon fabelhafte Werke fabriziert. Falls sie dieses Können auf die Leitung des Labyrinths überträgt, werden die Kinder freudestrahlend einem Besuch entgegenblicken können.
Der museale Bereich scheint im Allgemeinen nciht mehr wirklich reszipientenorientiert zu sein. Wirkt es doch so, als müsse man heute froh darüber sein, auf eine kalte Wand mit Fabklecks starren zu können oder gar gelangweilten Museenführern dabei zuhören, wie angenervt sie von ihren Jobs sind. Dass sich in Gesundbrunnen etwas neues entwicklet ist daher stark zu begrüßen.
Vielleicht hat es ja auch Ausstrahlungskraft auf bereits bestehende Mussen und deren Verständnis von Bildungsvermittlung
Ihr Herr Dettmann