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Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht?

Durchforstungsmassnahmen in Konradshöhe und Tegel empören die Bürger

Konradshöhe/Tegel. „Alt wie ein Baum… möchte ich werden“ – so mancher Reinickendorfer wird das Lied der Puhdys wohl nicht mehr so inbrünstig singen, wenn er sich den Tegeler Forst zwischen Konradshöher Straße und dem Schwarzen Weg anschaut.

Gefällte Bäume entlang der Konradshöher Straße

Entlang der Konradshöher Straße sind viele Bäume gefällt worden. „Alles Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht“, so die Berliner Forsten

Denn dort sind seit mehreren Wochen die Baumfäller am Werk. Und sie fällen nicht nur die alten und kranken Bäume, sondern auch junge und gesunde. Besonders an der Konradshöher Straße wurde „Tabula rasa“ gemacht. Dort sind aus dichtem Laubwald, der im Sommer die Straße mit einem dichten Blätterdach überzog, große Lichtungen geworden. Anwohner aus Konradhöhe sind schockiert.

Doch das Landesforstamt spricht von „pflegenden und lenkenden Durchforstungen im Waldbereich“ und „notwendigen Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht“.

„Ich hatte Tränen in den Augen, als ich beim Vorbeifahren die gefällten Bäume gesehen habe“, sagt die Konradshöherin Dr. Christine Ferber-Kuhn. „Es handelte sich um Bäume, die gut und gerne noch 100 Jahre hätten leben können; das ist lebensverachtend, was dort geschieht.“

Sprecher verteidigt die Maßnahme

Doch Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten, verteidigt die Maßnahmen: „Es handelt sich einerseits um Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht entlang der Konradshöher Straße und andererseits um Durchforstungsmaßnahmen im Wald bis zum Schwarzen Weg“, sagt er. Bei den Maßnahmen der Verkehrssicherungspflicht gehe man keinerlei Risiken ein.

Gefällte Bäume

„Wir haben zu wenig Kapazitäten, um Bäume im Zweifelsfall in einem Vierteljahr noch einmal in Augenschein zu nehmen“, sagt er.

Es handele sich hierbei um eine weitere Abarbeitung im Bereich Heiligensee- und Konradshöher Straße.

Christine Ferber-Kuhn steht diesen Maßnahmen sehr kritisch gegenüber: „Ich habe gehört, dass es von ehemals 15 Waldarbeitern nur noch drei gibt. Von daher ist klar, dass alles, was in den nächsten drei bis fünf Jahren Probleme bereiten könnte, schon von vornherein gefällt wird.“ Bei so wenigen Mitarbeitern gehe Quantität eben vor Qualität.

Die Durchforstungsmaßnahmen im Wald werden noch bis Ende Januar andauern: „Hierbei handelt es sich um pflegende und lenkende Durchforstungen im Waldbestand, die nach genauer Inaugenscheinnahme begonnen wurden und eine Mischungsregulierung beinhalten.

„Wir wollen altersgemischte Mischwälder schaffen, und bei der Durchforstung handelt es sich überwiegend um Kiefern“, sagt Franusch, „so können wir den Wald in seinen Entwicklungschancen fördern“, fügt der Sprecher der Berliner Forsten hinzu.

Insgesamt 3000 Festmeter Holzmasse, also Holz mit 3000 Kubikmetern Volumeninhalt, wurde aus dem Wald entfernt.

Zur Hintergrundinformation dieser Maßnahme gab es am 10. Dezember eine Veranstaltung, zu der Revierförster Frank Mosch an der Revierförsterei Tegelsee am Schwarzen Weg einlud.  Im Vorfeld habe es nach Angaben von Franusch im Wald „vielfältigste Aushänge“ gegeben. Drei Reinickendorfer hätten davon Gebrauch gemacht, sich zu informieren.

„Von diesen drei Teilnehmern der Veranstaltung kam nur positive Resonanz“, sagt Franusch.

Andere Reinickendorfer haben von dieser Info-Veranstaltung gar nicht erst erfahren: „Ich gehe fast jeden Tag am Schwarzen Weg und an den Gehegen vorbei spazieren, habe aber keinerlei Aushänge gesehen“, sagt die Tegelerin Christa Held.

Auch Christine Ferber-Kuhn erfuhr nichts von einer solchen Veranstaltung: „Hätte man so etwas per Briefkastenwurf kundgetan, wären sicher viele Anwohner gekommen“, sagt sie. „Aber vielleicht wollte man bewusst nun wenige Leute vor Ort haben“,  fügt sie hinzu.

Eins ist sicher: Die Durchforstungsmaßnahmen werden im Herbst weitergehen: „Herr Mosch hat ein Revier von 800 Hektar Wald, und hier gibt es viele Rückstände, was die Pflege betrifft“, sagt Franusch. Deshalb erfolge die Pflege nun im nächsten Durchgang auch gründlicher.

Foto: Ferber-Kuhn

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