„Eben den Kindern eine Freude bereiten, die selten Grund zum Freuen haben“
Reinickendorf/Mogilev. „Vorsicht, verstrahlte Zone!“ Zahlreiche Schilder in vielen Gebieten Weißrusslands warnen die Bevölkerung vor der unsichtbaren radioaktiven Gefahr. Die Reaktorkatastrophe Tschernobyl hat besonders die weißrussische Bevölkerung getroffen, ging doch 70 Prozent des radioaktiven Regens auf den Süden des Landes nieder. Und der graue Koloss, wie der mit einem Betonsarkophag ummantelte Atomreaktor auch genannt wird, strahlt noch immer.
In dieses Gebiet machte sich ein Helferteam des Reinickendorfer Vereins „zur Förderung gesundheitsgeschädigter und hilfloser Kinder aus Mogilev” (Weißrussland) e.V. auf, um zahlreiche Geschenkpäckchen an strahlengeschädigte und bedürftige Kinder zu verteilen. Der NORD-BERLINER sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Eberhard Kluge über den Transport.
Sie nehmen immer wieder Anfang Januar die weite Reise von mehr als 1400 Kilometern auf sich, um Kinder in der Region rund um die Stadt Mogilev zu beschenken. Aus welchem Grund?
E. Kluge: Es gibt viele Kinder in Weißrussland, die nie etwas geschenkt bekommen. Entweder sind es Waisenkinder, die ihre Eltern durch Krankheit verloren haben – besonders Schilddrüsenkrebs ist aufgrund der immer noch hohen Strahlenbelastung weit verbreitet -, oder aber es sind krebskranke Kinder, die im Krankenhaus liegen und dort kahlköpfig, aber mutig ihre Krankheit bekämpfen. Außerdem gibt es viele behinderte Kinder, die vom Staat nicht unterstützt werden.
Diesen Kindern eine Freude zu bereiten, ein Lächeln in ihre Gesichter zu zaubern, die Eltern mit notwendigen Materialien wie Zahnpasta, Creme oder Schulheften und Stiften zu unterstützen, das ist unser Anliegen. Dass sie wissen, es denkt jemand an sie. Dass sie wissen, hier in Deutschland hat extra jemand ein Geschenkt persönlich für mich gepackt.
Wird die Situation in Weißrussland denn nicht besser? Schließlich liegt die Reaktorkatastrophe schon so lange zurück?
E. Kluge. Nein, im Gegenteil: Es ist schlimmer geworden. Alle Staatsbediensteten wie Ärzte und Lehrer erhalten nur noch 40 Prozent ihres Gehalts, was die gesamte Situation im Land verschärft. Lebensmittel werden teurer, die Menschen sind sehr verzweifelt.
Wann waren Sie denn diesmal in Mogilev?
E. Kluge: Ich und mein Vereinskamerad Hartmut Jenner sind am 1. Januar mit unserem Fahrzeug samt Anhänger voller Geschenke aufgebrochen und bereits nach 19 Stunden in Mogilev angekommen. Dort lief auch mit dem Zoll alles gut, sodass wir bereits am 4. Januar mit dem Verteilen der Geschenke beginnen konnten.
Wo haben Sie die Geschenke verteilt?
E. Kluge: 48 Pakete haben wir zum Kindergarten Nr. 20 gebracht. Es handelt sich dabei um sprachgestörte vier- bis achtjährige Kinder, die eine riesige Freude auslösten. Als unser nächstes Besuchsziel erreichten wir das Sozialzentrum, wo wir 38 Pakete ablieferten. 80 Pakete gingen an die 13. Grundschule. Wichtig ist uns bei der ganzen Aktion, dass wir die Pakete persönlich übergeben, damit wir auch sicher sind, dass sie wirklich ankommen.
Außerdem haben wir einige arme Großfamilien mit bis zu 20 Kindern besucht und sie beschenkt. Dabei wurden wir sogar vom örtlichen Fernsehen begleitet.
Wer hat die Pakete gepackt?
E. Kluge: Sie kommen zum Großteil von Reinickendorferinnen und Reinickendorfern sowie von Leuten aus dem nördlichen Umland, die zu Weihnachten den Kindern in Weißrussland eine Freude bereiten wollen. Da sind einige dabei, die schon das zwölfte Jahr die Päckchen packen.
Nun haben Sie seit einiger Zeit auch Patenkinder vermittelt.
E. Kluge: Ja, insgesamt haben wir 20 teils schwerstbehinderte Patenkinder, die von einzelnen Familien in Reinickendorf unterstützt werden. Natürlich haben wir davon jedes einzelne besucht, denn ihre Paten in Berlin hatten natürlich Päckchen gepackt, um ihnen eine Freude zu bereiten.
Wann sind Sie zurückgekommen?
E. Kluge: Die Rückfahrt am 8. und 9. Januar war nicht ohne Komplikationen. An der weißrussischen Grenze ließ man uns ohne Grund sechs Stunden einfach stehen. Allerdings nehmen wir all solche Strapazen immer wieder gerne in Kauf. Die lächelnden Kindergesichter sind unsere Belohnung.
Herr Kluge, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Spenden gehen an:
Den Verein zur Förderung gesundheitsgeschädigter und hilfloser Kinder aus Mogilev (Weißrussland) e.V,, Berliner Sparkasse, BLZ: 100 500 00, Konto-Nummer: 2080 0135 75.






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