Damit ein großes Wir-Gefühl entsteht
Heiligensee. Individualismus wird in der heutigen Gesellschaft groß geschrieben, und schon Kinder werden zu Einzelkämpfern erzogen.
Und so passiert es auch immer wieder in Schulklassen, dass das „Wir-Gefühl“ verloren gegangen ist. Weder Klassenzusammenhalt noch Teamwork sind zu spüren, und stattdessen lernt, arbeitet und kämpft jeder für sich. Um ein Wir-Gefühl herzustellen und damit die Klassengemeinschaft zu stärken, ist der Bollerwagen seit Oktober einmal pro Woche zu Besuch bei der Klasse 5c der Otfried-Preußler-Grundschule in Heiligensee. Im Mittelpunkt der speziellen zwei Stunden am Donnerstag steht das Trommeln. Denn Trommeln kann man nicht gut alleine, dazu braucht man aktive Mittrommler, die aufeinander achten und im gleichen Rhythmus trommeln.
Noch vor dem Klingeln rennen die Fünftklässler in den kleinen Musikraum im Erdgeschoss, um sich eine Trommel zu schnappen und loszulegen. Einer gibt den Rhythmus vor, die anderen steigen mit ein – und schon bald hallen die Trommelklänge durch das Erdgeschoss.
Die Klasse wurde für dieses spezielle Projekt geteilt. Und während eine Hälfte der Grundschülerinnen und Grundschüler trommelt, unterrichtet Klassenlehrer Bernhard Reuter die andere Hälfte im Fach Deutsch.
„Es ist enorm, wie entspannt und aufmerksam die Schüler im Unterricht sind, wenn sie vom Trommeln kommen“, sagt Reuter. Die regelmäßig schlechte Konzentration ist wie weggeblasen, der Unterricht verläuft ruhig und effektiv. Kein Wunder, die Schüler sind vom Trommeln ausgepowert und sind nun wieder fähig, konzentriert und aufmerksam zu sein. Sie können nun dem Unterricht wieder besser folgen, haben den Kopf frei für neuen Lernstoff.
„Es geht eben zum einen darum, das Wir-Gefühl in der Klasse zu stärken, um den fehlenden Gruppenzusammenhalt wieder mehr aufzubauen und soziales Lernen in den Mittelpunkt zu rücken, zum anderen aber auch um den Bewegungsaspekt, der in der Schule häufig vernachlässigt wird“, erklärt Rudi Haberkorn vom Spielmobil Bollerwagen, der das Projekt gemeinsam mit seiner Kollegin Beate Ziesmer durchführt. Ermöglicht wird das Projekt durch das Bezirksamt, und hier speziell durch die Abteilung Jugend, Familie und Soziales, Region Ost.
„Kinder müssen sich austoben, Spiele spielen und Krach machen“, sagt Haberkorn. „Dabei zielen unsere Spiele jedoch immer auf Kooperation ab; es gibt also keinen Verlierer oder einen einzelnen Sieger“, fügt er hinzu. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam an etwas zu arbeiten, Strategien zu entwickeln, Lösungen zu finden. Auch das Trommeln ist ein gutes Mittel, etwas gemeinsam zu tun. Hier geht es darum zuzuhören, um den Rhythmus zu verstehen und dann mit einzustimmen – aber immer mit Rücksicht auf die Anderen. „Zudem bekommen einzelne Kinder, die sonst eher schüchtern oder leise sind, hier spielerisch die Möglichkeit, auch mal im Vordergrund zu sein“, sagt Haberkorn.
Auch Schulleiterin Dorothea Ferrari ist vom Projekt begeistert: „Dieses Projekt zielt auf die Stärkung der Sozialkompetenz und die Stärkung der Klassengemeinschaft gleichermaßen ab und funktioniert phantastisch“, sagt sie. „Für solche tollen Projekte sind wir immer offen.“
Fotos: Flechtner






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