Mit Spikes über den Flughafen
Tegel. Im „Headquarter“ eines Leichtathletikvereins am Hermsdorfer Damm 199 werden große Pläne geschmiedet. Der SC Tegeler Forst (SCTF) hat ein Auge auf einen Teil des in wenigen Monaten schließenden Flughafens Tegel geworfen.
Am nördlichen Flughafenrand beinahe in Wurfweite des Flughafensees befindet sich ein einfacher Sportplatz und eine Traglufthalle, die derzeit noch von der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums genutzt werden. „Ein wunderbares Gelände, für unsere Zwecke geradezu ideal geeignet“, sagt der SCTF-Geschäftsführer Stephan Sachs.
„Wir wollen da was aufziehen, ein Leichtathletikstadion mit einer Tribüne und acht Rundbahnen, das für kleine Meetings ebenso geeignet ist wie für größere Meisterschaften. Bürgermeister Frank Balzer hat uns inzwischen seine Unterstützung zugesagt.“
Nicht nur er. „Wir können uns sehr gut vorstellen, dass diese Sportstätte künftig dem Reinickendorfer Vereinssport zugute kommt. Deshalb haben wir eine Initiative gestartet, damit der Sportbezirk Reinickendorf das Gelände nach dem großen Umzug nach Schönefeld nutzen kann“, teilt Stephan Schmidt mit, der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Reinickendorfer BVV. Der Antrag der CDU-Fraktion wird nun im Sportausschuss beraten, der Bezirk soll alsbald mit den zuständigen Stellen in Verhandlungen eintreten. „Für mich persönlich, aber auch für die vielen Sporttreibenden im Bezirk, wäre es ein Glücksfall, wenn es gelingen könnte, den Sportplatz für den Bezirk zu erhalten“, sagt der Sportausschussvorsitzende Dieter Braunsdorf (CDU).
Für einen Verein wie den SC Tegeler Forst würde eine solche Anlaufstelle erst recht Sinn machen. Bisher fehlt eine zentrale Heimstätte, der Verein ist auf insgesamt sieben Sportplätze verstreut. Für ein angemessenes Wintertraining sind Fahrten nach Charlottenburg und Hohenschönhausen nötig, einen leistungssportlich nutzbaren Kraftraum gibt es im Norden nicht, Funktionsräume wie eine Gymnastikhalle fehlen ebenfalls. Das bei einem Verein, in dem vom ersten Laufalter kleiner Kinder bis ins hohe Seniorenalter Leichtathletik und Fitnesssport ausgeübt werden kann. Dazu entwickelt der Verein mit Hilfe seiner selbst finanzierten qualifizierten Trainer deutsche Spitzenathleten mit Deutschen Meisterschaftsmedaillen und internationalen Einsätzen wie Carsten Schlangen oder Meike Kröger – um nur zwei Beispiele zu nennen. Breitensport und Spitzensport nebeneinander war schon immer ein Markenzeichen des SC Tegeler Forst.
Das Gelände auf dem Flughafen schien für die Leichtathleten längst verloren. Im Rahmen des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplans für die Nachnutzung sprach sich der Landessportbund (LSB) für die Schaffung einer Internationalen Ruderstrecke aus mit einer Anbindung an den Kanal am Saatwinkler Damm aus. Das hätte hohe Kosten verursacht. Die ursprüngliche Planung hatte einen Abriss des alten Stadions und eine Renaturierung des Geländes vorgesehen. „Das ist vor allem mangels Ideen passiert“, glaubt Stephan Sachs. „Aber anders als auf dem Flughafen Tempelhof, der als Naherholungsgebiet Gold wert ist, ist das in Tegel nicht nötig.
In Reinickendorf gibt es schon so viele Freizeitflächen.“ Der LSB unterstützt nun das Anliegen des SCTF, ebenso der Berliner Leichtathletikverband. Einen Schub erhofft sich Sachs auch vom neuen Stadtentwicklungssenator Michael Müller, der im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Ingeborg Junge-Reyer ein anderes Verhältnis zum Sport und einen guten Draht zum LSB-Präsidenten Klaus Böger habe. Müller hat bereits angekündigt den bisherigen Flächennutzungsplan nochmals auf den Prüfstand zu stellen.
Aber noch ist alles Zukunftsmusik, das Gelände wird über die Schließung des Flughafens hinaus noch bis 2014 von der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums genutzt. „Aber dann könnten wir loslegen“, sagt Sachs, der ein Projekt im niederländischen Eindhoven als Beispiel gebend nennt. „
Da wurde in drei Jahren ein tolles Stadion hochgezogen. Mit einer modernen Architektur, stabil, funktional, ökologisch grün und nicht teuer. Das schwebt uns auch für Tegel vor.“ Sachs geht von Kosten von etwa zehn bis 15 Millionen Euro aus. „Das hört sich erst einmal viel an, aber nur zum Vergleich: Allein für die Nachrüstung des Olympiastadions für die Leichtathletik-WM 2009 wurden 6,5 Millionen locker gemacht. Für eine nur acht Tage dauernde Veranstaltung.“






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