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Diskussion um Zukunft des Airport Tegel beim VfL Tegel und im Rathaus

TXL – von weißem Fleck auf der Nachnutzungslandkarte zur grünen Zukunftstechnologie mit buntem Campus-Charakter?

Tegel. Gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen war die Zukunft des Flughafens Tegel TXL Thema: Am Dienstagabend stellte Ephraim Gothe, Staatssekretär in der Senatsbehörde für Umwelt und Stadtentwicklung, in den Räumen des VfL Tegel den nun Bebauungsplan für die Nachnutzung des Flughafengeländes den rund 100 interessierten Bürgern vor, und am Mittwoch gab Reinickendorfs Baustadtrat Martin Lambert (CDU) sein Statement zum Bebauungsplan in der Sitzung der Bezirksverordnentenversammlung (BVV) im Rathaus Reinickendorf ab.

Terminalgebäude TXL

Wird das Terminalgebäude Hochschulstandort?

„Es handelt sich bei vorliegenden B-Plan 12-50 um einen von insgesamt zwei Bebauungsplänen“, erklärte Lambert in der BVV-Sitzung. „Das gesamte Areal umfasst 460 Hektar, und nach Flächennutzungsplan ist etwa die Hälfte als Industrie-, Forschungs- und Gewerbebereich ausgewiesen. Die andere Hälfte wird grün beziehungsweise bleibt grün“, sagt er und fügt hinzu: „Der vorliegende B-Plan umfasst eine Fläche von 148 Hektar und somit fast zwei Drittel der Fläche, auf der neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Es handelt sich um das Gelände südlich der Rollbahn, um das Terminal sowie das Gelände um das Terminalgebäude.“

Wie soll also die Zukunft dieses Bereichs aussehen? Im B-Plan ist folgendes festgehalten: Der Terminalbereich ist als Sondergebiet „Forschung und Technologie“ ausgewiesen. Auf einer Fläche von 38 Hektar sollen vorwiegend Forschungs-, Labor- und Hochschuleinrichtungen angesiedelt werden- Dieser Bereich soll eine Anschubwirkung für die Ansiedlung der gewünschten Spitzentechnologien entfalten. Ein Campus-Charakter soll entstehen.

Um dieses Sondergebiet sind vier Gewerbegebiete vorgesehen: Die Fläche von 55 Hektar soll sich auf forschungs- und technologieorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe konzentrieren. Vergnügungsstätten sind nicht zulässig.

In den Gewerbebereichen westlich der Cité Pasteur und nördlich der Räume „Vor den Toren“, „Neuland“ und „Mäckeritzwiesen“ (GEe 1 bis 3) sind nur Betriebe zulässig, die das Wohnen nicht wesentlich stören. Damit wird Rücksicht auf die faktischen Wohnbereiche südlich des Flughafenareals genommen.

Rollfeld Flughafen Tegel

Der Teil nördlich des Rollfeldes ist nicht im B-Plan 12-50 enthalten.

Das etwa 145000 Quadratmeter große Areal der Cité Pasteur mit rund 200 Wohnungen in 17 Gebäuden bleibt mit seinem Wohncharakter erhalten und gesichert, allerdings als Mischgebiet MI 1 und MI 2 mit unterschiedlicher Wohnintensität.

Dies hatte der Bezirk mit den Anwohnerinnen und Anwohnern beim Flächennutzungsplan erreicht. Gewerbe ist nur insoweit möglich, wie Wohnen nicht unzumutbar belastet wird.

Die verkehrliche Erreichbarkeit des Geländes ist weiterhin – wie bisher – von Süden, aber außerdem noch zusätzlich im Nordosten vom Kurt-Schumacher-Platz aus vorgesehen.

Auch die Umgebung des Airportareals wird im B-Plan berücksichtigt: So wird das Gelände südöstlich des Terminals mit Hotel, Tankstelle und Flughafenverwaltungsgebäude als Gewerbebereich ausgewiesen. Die Gebiete südlich des Areals, unter anderem „Am Hohenzollernkanal“, „Mäckeritzwiesen“, „Vor den Toren“ und „Neuland“, werden als Wohn- oder Kleingartensiedlung gesichert.

Die Siedlung Cité Guynemer bleibt Wohnsiedlung. Die Sternstraßensiedlung, die bislang als Gewerbegebiet ausgewiesen war, wird sich entsprechend entwickeln. Es wird diskutiert, die Autobahn zwischen Airport und Sternstraßensiedlung abzustufen, um auch diesen Bereich an das Flughafengelände anbinden zu können. Jungfernheide und Flughafensee bleiben nach Ende des Flugbetriebs als Erholungs- und Vogelschutzreservat erhalten. Ihre Funktion wird durch weitere Grünbereiche noch gestärkt.

Baustadtrat Lambert bewertete den vorgelegten Bebauungsplan in der BVV positiv, sagte aber auch: „Dreh- und Angelpunkt ist eine zeitnahe Nachnutzung. Hierfür muss als Schwungrad die Nachnutzung des Terminalbereichs als Bereich für Forschung und Entwicklung gelten.“ Der Baustadtrat als auch die Bürgerinnen und Bürger in der Diskussion am vergangenen Dienstag fordern deshalb, dass die Ansiedlung der Beuth-Hochschule, die seit Anfang letzten Jahres ihre Bereitschaft erklärt hat, auf dem Flughafengelände zu expandieren, endlich Klarheit erhält und zügig in Angriff genommen wird.
Doch der SPD-Verordnete Ulf Wilhelm gab zu bedenken: „So schnell, wie Sie sich beispielsweise die Ansiedlung der Beuth-Hochschule wünschen, wird es nicht gehen, denn ich gebe zu bedenken, dass bis Ende 2012 gar nichts geschehen kann, weil der Flughafen sich weitere sechs Monate vorbehalten hat – für eine mögliche weitere zeitliche Verschiebung der Schließung Tegels.“ So könne erst ab 2013 baurechtlich etwas geschehen. Auch das Problem der Altlasten wie Munition auf dem Gelände wurde genannt.

Vom Land Berlin ist zur Nachnutzungsvermarktung die Tegel Projekt GmbH gegründet worden. Ihr Geschäftsführer ist Hardy Schmitz, der nun öffentlich für eine klare Profilierung wirbt. Wirtschaftsstadtrat Uwe Brockhausen unterstützt diesen Ansatz einer klaren Profilierung für diesen Wirtschaftsstandort: „Mit der Gründung der Tegel Projekt GmbH ist ein wichtiger Grundstein dafür gelegt worden, dass die Entwicklung des Flughafenareals mit der gebotenen Priorität in Angriff genommen wird.“

Um jedoch optimal arbeiten zu können, forderten nicht nur  Anwesenden der Dienstag-Veranstaltung, sondern auch die CDU-Fraktion am Mittwoch in ihrem Entschließungsantrag eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Tegel Projekt GmbH, um eine professionelle, weltweite und schnelle Vermarktung des Geländes sicherzustellen.

Die CDU-Fraktion brachte weitere Entschließungsanträge ein. So soll der südlich gelegene Sportplatz auf dem Flughafenareal für die Nutzung durch Reinickendorfer Sportvereine gesichert werden. Der Beuth-Hochschul-Umzug soll schnell eingeleitet werden. Zudem soll künftig eine Bürgerbeteiligung im Internet angeboten werden, um Ideen und Hinweise von Bürgern aufzunehmen. Außerdem soll für Bürger eine direkte Express-Verbindung im ÖPNV für Reinickendorfer zum neuen Flughafen eingerichtet werden. Diese Anträge wurden in die zuständigen Ausschüsse überwiesen.

Dennoch gab es auch Kritik, unter anderem vom Grünen-Verordneten Andreas Rietz, der monierte, dass nicht auch der zweite Bebauungsplan vorlag und somit die gesamte nördliche Fläche mit Grünflächen Start- und Landebahn bisher noch außen vor gelassen wird. Grundsätzlich sieht die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Nachbesserungsbedarf beim Bebauungsplan für das Flughafen-Gelände. Nach Ansicht von Torsten Hazuschild, Mitglied der AG Stadtplanung und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, werde das Ziel eines Gewerbe- und Industrieparks für Zukunftstechnologien noch nicht konsequent genug ins Visier genommen. So seien industrielle Nutzungen im vorliegenden Bebauungsplan überhaupt nicht eingeplant. Also müsse aus dem Gelände entweder ein reiner Gewerbepark werden oder die Industrie nördlich des jetzigen Plangebietes zwischen den Rollbahnen angesiedelt werden. Letzteres lehnen die Reinickendorfer Grünen aber ab. Der Bereich der Rollbahnen solle aus ökologischen Gründen überhaupt nicht bebaut werden, fordern sie. Diese Freiflächen seien als klimarelevante Kaltluftentstehungsgebiete von stadtweiter Bedeutung, sie werden vom Landschafts- und Artenschutzprogramm in Teilen als naturschutzwürdig beziehungsweise landschaftsschutzwürdig eingestuft.

Fotos: Flechtner

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