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Jubiläum: Freiwillige Feuerwehr Wittenau feierte 40-jähriges Bestehen

„Wir machen es, weil es uns Freude macht – und nicht, weil wir es müssen“

Wittenau. Beim Großbrand im Tegel Center waren sie dabei und beim Feuer im Möbelhaus Schwarz am Oraniendamm.

Gerhard Brust, Norbert Weenen, Werner Gläser, Horst Sander, Hansjoachim Zeil, Wolfgang Wippermann und Horst Kahm (vorne v.l.), Chris Mielke, Siegfried Kahm, Siegfried Strauß und Günther Bretschneider

Ehemalige Kameraden der FF Wittenau waren beim Jubiläum dabei, unter anderem Gerhard Brust, Norbert Weenen, Werner Gläser, Horst Sander, Hansjoachim Zeil, Wolfgang Wippermann und Horst Kahm (vorne v.l.), Chris Mielke, Siegfried Kahm, Siegfried Strauß und Günther Bretschneider (hinten v.l.).

Beim Hauseinsturz in der Steglitzer Lepsiusstraße haben sie nach Verschütteten gesucht und bei Unwettern unzählige Keller ausgepumpt. An der Oder und der Elbe haben sie gemeinsam mit anderen Kollegen gegen das Hochwasser angekämpft. Und sie retten nicht nur Menschenleben, sondern sogar kleine Enten, an eine Eisscholle angefrorene Blesshühner oder Rehkitze.

Gerettetes Rehkitz

Auch um Tiere in Not, zum Beispiel ein Reh, kümmert sich die FF Wittenau immer wieder.

Keine Frage – in den vergangenen Jahrzehnten haben die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wittenau unentwegt ehrenamtlich Hilfe geleistet und Gutes getan. Jetzt feierte die Freiwillige Wehr (FF), die Vorreiter in Deutschland für andere FF war, ihr 40-jähriges Bestehen.

Sven Matzigkeit und Michael Manteufel

Sven Matzigkeit, Wehrleiter der FF Hermsdorf, überreicht FF-Wittenau-Wehrleiter Michael Manteufel einen kleinen Buddybären.

„Vorreiter deshalb, weil wir bundesweit die erste Freiwillige Wehr waren, die auf dem Gelände einer Berufsfeuerwehr (BF) angesiedelt wurde“, erklärt Wehrleiter Michael Manteufel, der seit 28 Jahren in der FF Wittenau ist und fügt hinzu:. „Mittlerweile gibt es 19 FF auf Berufsfeuerwachen in Berlin.“ Am 7. Februar 1972 ist die FF Wittenau mit der Einstellung von sieben Kameraden gegründet worden.

Mit dabei: der erste Wehrleiter Horst Kahm, sein Bruder Siegfried, Horst Sander und Hansjoachim Zeil, die nun Ehrengäste bei der Jubiläumsfeier waren.

Horst KahmDiese Entscheidung ist aufgrund von Forderungen der Alliierten in West-Berlin an den Senat geschehen. „Die Feuerwehr hatte die Aufgabe bekommen, einen Katastrophenschutz aufzubauen“, sagt Manteufel, „und durch noch bestehende Verbindungen von einigen Berufsfeuerwehrleuten mit der 1956 aufgelösten FF Reinickendorf West ist die Verbindung aufgenommen worden. Es war quasi die Idee entstanden, den Katastrophenschutz mit freiwilligen Feuerwehrmännern herzustellen.“

Und obwohl zum Zeitpunkt der Gründung die rechtlichen Grundlagen noch nicht geschaffen waren, hatte man die Idee umgesetzt. “Und wie wir heute wissen, sicherlich mit dem Glück, auch ‚die Richtigen’ für diese Aufgabe gefunden zu haben, ist es hervorragend gelungen“, fügt Manteufel hinzu.

Der FF Wittenau sind viele weitere FF auf die Berufswachen gefolgt. In Reinickendorf sind es die Freiwilligen Wehren Hermsdorf und Tegel, in Mitte die FF Wedding und FF Moabit. 1979 folgte dann auch die Gründung der ersten Jugendfeuerwehr auf einer Berufswache, die vierte Jugendfeuerwehr in Westberlin überhaupt.

Und so machten die Kameraden ihren Dienst, löschten Brände und retteten Leben – mittlerweile vier Jahrzehnte lang. „Dafür möchte ich mich bedanken“, sagte der Stellvertretende Landesbranddirektor Carsten Göwecke bei der Jubilarsfeier, zu der nicht nur die jetzigen Feuerwehrleute der FF Wittenau und Mitglieder der Ehrenabteilung anwesend waren, sondern auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer und Mitglieder der Fraktionen im Bezirk. Und Henry Pagel, Wachleiter der Berufswehr  Wittenau, sagte: „Für dieses Engagement, das ihr fast jeden Tag für uns leistet, möchte auch ich mich bedanken. Ihr übernehmt oft Rettungseinsätze, um die BF ein wenig zu entlasten – und das ist ganz wichtig.“ Natürlich hätten die BF und FF auch unzählige Male gestritten und gezankt, aber sich dann wieder versöhnt – „wie das in einer richtigen Ehe eben ist“, sagte Pagel und fügte schmunzelnd hinzu: „40 Jahre, wer hält das schon in einer Ehe gemeinsam durch!“

Die Kameradschaft sei es, so Manteufel, die die FF so stark mach: „Wir rennen da rein, wo andere rausrennen – und verlassen uns voll und ganz auf den Anderen. Und wir machen es, weil es uns Freude macht, und nicht, weil wir es müssen – und das ist das Besondere“, fügte er hinzu.

Nach wie vor ist die FF Wittenau, die derzeit aus 28 Mitgliedern besteht, in den Katastrophenschutz eingebunden. „Zusammen mit der FF Hermsdorf, der FF Tegel und der FF Blankenfelde stellen wir den 1. Zug der 1. Brandschutzbereitschaft, wie der Feuerwehr-Katastrophenschutz in Berlin genannt wird“, sagt Manteufel.

Brandschutzbereitschaften oder Teile davon werden bei großen Schadensfällen als geschlossene Einheiten eingesetzt, auch wenn Hilfe außerhalb von Berlin gebraucht wird. Beispiel sind die Hochwasser an Elbe und Oder, wo auch die FF Wittenau mehrere Tage im Einsatz war. Beim eingestürzten Gebäude in der Lepsiusstraße trugen die Kameraden die Steine mit den Händen ab, weil noch die Hoffnung auf Überlebende bestand und diese durch den Einsatz von Maschinen gefährdet gewesen wären.

Übung zur Bekämpfung von Gasbränden

Bei einer Übung zur Bekämpfung von Gasbränden.

„Was sich die FF Wittenau zum runden Geburtstag wünscht? „Nun, wir wünschen uns klarere politische Unterstützung“, spach es Wehrleiter Manteufel aus. Bleibt zu hoffen, dass dieser auch erfüllt wird.

Fragen und Antworten

Kann jeder zur Freiwilligen Feuerwehr kommen?

Im Prinzip ja. ab 18 Jahre und nicht älter als 45 Jahre. Aber: Nur die Fitten fahren zum Feuer! Gesundheit und körperliche Fitness sind das A und O im Feuerwehrdienst. Denn nur wer selbst fit ist, kann anderen in extremen Situationen helfen. Wir rennen da rein, wo andere rausrennen, wie man immer so schön sagt. Aber da ist schon was Wahres dran. Entsprechend hoch sind die gesundheitlichen und körperlichen Anforderungen an unsere Bewerber. Wer sich bei der Freiwilligen Feuerwehr bewirbt, sollte gesund und möglichst sportlich aktiv sein, sich gesund ernähren und keine Suchtmittel konsumieren.

Muss ein Bewerber einen Beruf gelernt haben?

Nein. Ein bisschen handwerkliches Geschick sollten die Interessenten jedoch mitbringen.

Kostet die Schutzkleidung etwas?

Die Schutzkleidung und Uniform werden von der Berliner Feuerwehr kostenlos bereitgestellt.

Kostet die Ausbildung etwas?

Die Berliner Feuerwehr übernimmt auch die Kosten für Ihre Ausbildung bei der FF.

Wo findet die Ausbildung statt?

Die Ausbildung findet für die FF-Angehörigen in Berlin an verschiedenen Standorten statt. Die Lehrgänge sind so gestaltet, dass sie neben Beruf oder Ausbildung gemacht werden können.

Wie lang ist die Ausbildung?

Die Grundausbildung wird zumeist in mehreren Abendkursen durchgeführt und umfasst insgesamt rund 230 Stunden. Sie muss nach Eintritt in die FF innerhalb von zwei Jahren absolviert werden.

Ist man gegen Unfälle versichert?

Ja und zwar über die Unfallkasse Berlin.

Es können auch Frauen zur Freiwilligen Feuerwehr kommen?

Selbstverständlich, es gibt nichts im Einsatzgeschehen, was nicht auch von Frauen getan werden könnte. Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass der Feuerwehrdienst für Frauen zu schwer sei. in Berlin sind es zwar nur rund 100 Frauen, aber die stehen „ihren Mann“. Auch in der Jugendfeuerwehr können Mädchen genau so unkompliziert Mitglied werden wie Jungen.

Zu welcher Freiwilligen Feuerwehr kann/muss ich gehen?

Grundsätzlich kommt für Sie die FF in Betracht, die Ihrem Wohnort am nächsten liegt. Die Mitglieder von FF des Typs B, also einer FF auf einer Berufsfeuerwache, sollten innerhalb von 30 Minuten ihre Wache erreichen können. Daher ist es hier bei der FF Wittenau möglich, dass ein Kamerad zum Beispiel in Frohnau oder sogar in Heiligensee wohnt. Denn die Angehörigen von FF des Typs A, also Freiwillige Feuerwehren ohne Berufsfeuerwehr auf der Feuerwache, sollten innerhalb von drei Minuten ihre Wache erreichen können. Wer das nicht kann und trotzdem unser Hobby teilen möchte, kommt aus den Außenbereichen eben zu den FF Typ B. Diese sind in Reinickendorf auf den Wachen in Tegel, in Hermsdorf und eben hier in Wittenau.

Wieso haben Sie 30 Minuten Zeit?

Nun, eine FF Typ B wird, wenn sie nicht ohnehin schon im Dienst ist, nicht zu einem sofort anliegenden Einsatz gerufen. Wir werden immer zur Wache gerufen, wenn die Berufsfeuerwehr in ein längeres Geschehen eingebunden ist, also ein großer Brand oder viele Einsätze wegen Unwetter. Darum haben wir eben etwas mehr Zeit, die wir aber nie wirklich ausreizen.

Wie bekommt man Kontakt zu einer Freiwilligen Feuerwehr?

Das ist ganz einfach. Im Zeitalter des Internet findet man auf Homepage der Berliner Feuerwehr (www.berliner-feuerwehr.de) unter „Standorte“ Näheres zu den Wachen und ob es dort auch eine FF gibt. Es sind auch die Telefonnummern angegeben. Aber man muss davon ausgehen, dass man niemanden erreicht, weil eine FF nur auf der Feuerwache ist, wenn sie im Einsatz ist oder Übungsdienst hat. Besser ist es, sich per Mail an brigitte.schiffel@berliner-feuerwehr.de oder per Telefon unter 387 10 923 an die Geschäftsstelle des Landesbeauftragten der Freiwilligen Feuerwehr zu wenden. Von dort wird eine Anfrage an die nächste zuständige Freiwillige Feuerwehr weitergeleitet. Und dann melden wir uns so schnell wie möglich zurück.

Sie haben ja auch eine Jugendwehr. Können sich Interessenten auch über diesen Weg melden?

Aber sicher.

Fotos: Flechtner
Foto Übung: FF Wittenau

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