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Vor 50 Jahren scheiterte die Flucht fünf Jugendlicher am Wilhelmsruher Damm

Blutiges Drama im Schnee

Am frühen Morgen des 19. Februar 1962 versuchten fünf Jugendliche aus dem Pankower Ortsteil Niederschönhausen südlich des Wilhelmsruher Damms nach West-Berlin zu flüchten.

Gleisanlage

In Höhe dieser Bahnschienen fielen die tödlichen Schüsse.

Die Gruppe hatte sich am späten Abend des 18. Februar bei naßkaltem, trüben Winterwetter nach Berlin-Rosenthal an die Grenze zum Reinickendorfer Ortsteil Wittenau begeben, um von hier nach West-Berlin zu gelangen.

1962 erstreckten sich hier beiderseits der Grenze noch vornehmlich ausgedehnte Kleingartenanlagen. Die Grenze war hier nur mit Stacheldrahtzäunen gesichert.

Seit Mitternacht hatten die Flüchtlinge die hier postierten Grenzsoldaten beobachtet und dann an einer Stelle genau zwischen zwei Doppelposten mit einer Drahtschere den Hinterlandzaun aufgeschnitten und den dahinter liegenden Todesstreifen erreicht. Hier krochen sie vorsichtig durch den Schnee in Richtung des Doppelzaunes unmittelbar an der Grenze. Da die Grenzbeleuchtung in diesem Bereich ausgefallen war, blieben sie zunächst unentdeckt. Gegen 1.40 Uhr wurden sie dann aber doch kurz vor dem Grenzzaun von mehreren Grenzposten entdeckt und sofort mit Maschinenpistolen beschossen.

Bei den Flüchtlingen handelte es sich um die Brüder Dieter und Eberhard Brede, deren Vater in Reinickendorf lebte, den 20-jährigen Detlef Teuchert, dessen gleichaltrige Verlobte Dorit Schmiel und eine gemeinsame Freundin der übrigen.

Dorit SchmielAlle hatten sie Verwandte im Westteil Berlins und waren dort vor dem 13. August 1961 regelmäßig gewesen. Den Bau der Mauer empfanden sie als tiefen Einschnitt in ihr Leben. Die Überzeugung, dass es künftig noch viel weniger Freiheit für den Einzelnen geben würde, hatte sie zu ihrem Fluchtvorhaben veranlasst.

Einer der Schüsse traf Dorit Schmiel in den Bauch. Der erst 16-jährige Schüler Eberhard Brede erlitt einen Lungensteckschuss. Die übrigen Flüchtlinge blieben unverletzt und wurden von den hinzukommenden Grenzposten festgenommen und zum Stützpunkt der Grenzpolizei in Blankenfelde verbracht. Die beiden Verletzten wurden zunächst zum Wilhelmsruher Damm geschleppt und dort abgelegt. Erst nach mehr als einer halben Stunde traf ein Krankenwagen ein, mit dem sie zum Volkspolizei-Krankenhaus in Berlin-Mitte gebracht wurden.

Beim Eintreffen im Krankenhaus war Dorit Schmiel bereits nicht mehr bei Bewusstsein. Kurz darauf verstarb sie an den durch den Bauchdurchschuss verursachten inneren Blutungen.

Ihre festgenommenen Freunde wurden im März 1962 vom Stadtbezirksgericht Berlin-Pankow zu Gefängnisstrafen zwischen zehn Monaten und zwei Jahren verurteilt.

Nach der Wiedervereinigung wurden die beteiligten Grenzschützen am 23. März 1994 vom Landgericht Berlin wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu Freiheitsstrafen von jeweils einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Allerdings hatte auch im Prozess nicht geklärt werden können, wer genau den tödlichen Schuss auf Dorit Schmiel abgegeben hatte.

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