König Otto: „Beate hat Ja gesagt“
Fußball. Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Otto Rehhagel soll Hertha BSC zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen.

In Griechenland war‘s schöner! Otto Rehhagel bei der ersten Trainingseinheit mit den Hertha-Profis am Dienstagvormittag.
Als die Zeitung mit den vier großen Buchstaben die Meldung am vergangenen Freitag herausgab, dürften nicht wenige Fußballfans irritiert aus der Wäsche geschaut haben. Rehhagel ist 73 Jahre alt, ist seit fast zwölf Jahren raus aus der Bundesliga. Und dennoch: Zum einen hat die Idee Charme und zum anderen ist die Lösung vielleicht die beste, die Hertha nach dem Rauswurf von Michael Skibbe auf die Schnelle realisieren konnte.
Otto Rehhagel also – der einst als Feuerwehrmann begann, in seinen Anfangsjahren bei sechs verschiedenen Vereinen (1. FC Saarbrücken, Kickers Offenbach, Werder Bremen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf) unterkam und mit Dortmund die höchste Niederlage der Bundesliga-Historie kassierte (0:12 bei Borussia Mönchengladbach im Jahr 1978). Der dann aber bei Werder Bremen „Otto, der Ewige“ wurde. 14 Jahre war er ununterbrochen Werder-Coach, feierte zwei Deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege und einen Triumph im Europapokal der Pokalsieger. Später führte er den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern zum Aufstieg von der 2. in die 1. Bundesliga und marschierte gleich durch bis zur Deutschen Meisterschaft – das hatte es weder zuvor noch danach in der Bundesliga gegeben, dass ein Aufsteiger die Schale holte. Das Sahnehäubchen auf seine Karriere aber setzte er 2004, als er mit der bis dahin chronisch erfolglosen Nationalmannschaft Griechenlands die Sensation schlechthin schaffte und in Portugal Europameister wurde.
Und jetzt also wieder Hertha, für die der aus Essen stammende Rehhagel in der Gründerzeit der Bundesliga drei Jahre gespielt hat. Er habe zugesagt, nachdem er seine Frau gefragt hatte. „Beate hat Ja gesagt“, gab König Otto zum Besten, als er am vergangenen Sonntag der in Kompaniestärke erschienenen Berliner Journalistenschar vorgestellt wurde. Beate Rehhagel galt schon immer als sein erster Ratgeber.
„Ich bin der Spiritus rector“, sagte er am Sonntag, und zu lesen war: „Alles hört auf mein Kommando.“ Das deckt sich mit einem seiner früheren Sprüche: „Jeder kann sagen, was ich will.“ An Autorität hat es ihm ja noch nie gemangelt. Und vielleicht ist es genau das, was Hertha jetzt braucht. Ihm zur Seite stehen weiter René Tretschok und Ante Covic, die der unter Skibbe in Lethargie verfallene Mannschaft bereits neues Leben eingehaucht haben. Gegen Dortmund boten die Berliner am vergangenen Sonnabend die ansprechendste Leistung der letzten Wochen. Und hätte Raffael getroffen, wäre sogar der Sieg möglich gewesen. So aber gab es ein 0:1, Kevin Großkreutz traf für den Meister. Am Sonnabend tritt Hertha beim FC Augsburg an. König Ottos Comeback in der Bundesliga blicken nicht nur die Hertha-Fans voller Spannung entgegen.
Fotos: Joulux





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