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Reinickendorfer Sportvereine (Teil XI): Berliner Schneehasen

Weltmeisterehren auf dem Gras-Ski

Frohnau. Die Idee entstand an der Oranienburger Chaussee. Vielleicht kam sie Richard Müller sogar beim Tennisspiel auf seinem eigenen Platz, den er hinter seinem Haus hat anlegen lassen. Wie wäre es wohl, wenn ich einen Skiklub gründe, mag er sich vor mehr als 60 Jahren gedacht haben.

"Schneehasen" im Schneetreiben

Wetterfestigkeit ist Trumpf: Anders als im Ski-Weltcup fahren die Schneehasen auch im dichtesten Schneetreiben.

Richard Müller hat nach dem 2. Weltkrieg schon Skireisen für Nordberliner durchgeführt – damals, als der Sport noch in den Kinderschuhen steckte. Am 8. Oktober 1952 war es dann soweit, Müller rief die Nordberliner Schneehasen ins Leben. Im Herbst dieses Jahres wird man mit einer Feier in der Villa Felice an der Schulzendorfer Straße in Heiligensee den 60. Geburtstag begießen. Die Geschichte des Vereins weitab der großen Skigebiete in deutschen Mittelgebirgen oder in den Alpen wurde zur Erfolgsstory. Die Aktivitäten wurden über die Grenzen Nordberlins ausgeweitet, der Verein gab sich den neuen Namen Berliner Schneehasen.

Sportwart Thomas Zilch.  In den ersten Jahren stand der Skilauf in all seinen Formen, ob alpin oder nordisch, absolut im Mittelpunkt. Müller orientierte sich während seiner langen Amtszeit am Zeitgeschehen, griff die aktuellen Trends stets auf. Die Beteiligung an Skiwettkämpfen stand damals im Vordergrund. Der Verein ging Kooperationen mit Schulen ein, führte Trainingsfahrten für Schüler im alpinen und nordischen Bereich durch. Im alpinen Skisport in Berlin „hoppelten“ die Schneehasen meist voran, der zweite größere Verein in Berlin, der Skiclub Pallas war eher im Skilanglauf erfolgreich. Als in den 1970er Jahren der Grasskilauf populär wurde, waren die Schneehasen ganz vorn mit dabei. Trainiert wurde am Rodelberg im Freizeitpark Lübars, hier wurden sogar Rennen mit internationaler Beteiligung veranstaltet. Und die Schneehasen brachten einen veritablen Weltmeister im Grasskilauf heraus.

Bei den 1979 in Bryce Resort (USA) ausgetragenen ersten Weltmeisterschaften in der jungen Sportart avancierte ein Schneehase zum Titelhamster: Vincent Riewe gewann die Goldmedaillen im Slalom, Riesenslalom und in der Kombination, der Super G wurde erst später eingeführt – und selbstverständlich führte er auch die deutsche Rangliste an. Riewe machte später auf völlig anderem Terrain Karriere, er studierte Musik, wurde ein angesagter Schlagzeuger. Der 100-Kilo-Mann reüssierte bei Max Raabes Palastorchester und ist in der erfolgreichen Combo nach wie vor an den Drums mit dabei. Der Grasskisport war nur ein kurzes Intermezzo, auch wenn noch Weltmeisterschaften stattfinden. „Grasski ist heute so gut wie tot“, sagt Matthias Mikolajski, langjähriger Schneehase und der Bruder des 1. Vorsitzenden Thomas Mikolajski. Womit wir bei der Familie wären, die den Verein maßgeblich mitgestaltet haben.

"Schneehase"

Das sieht schon richtig gut aus, ein junger Schneehase nimmt den Sprung mit Bravour. Das Foto entstand bei den am Silbersattel in Thüringen vor zwei Wochen ausgetragenen Berliner Meisterschaften.

Gerhard und Christa Mikolajski sind wie Adolf Kolasinski, Friedmund Husing und Manfred Riewe Ehrenmitglieder der Schneehasen, Gerhard hat für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten. Christoph, Andreas und Katrin Mikolajski sind Mitglieder seit mehr als 25 Jahren. Und Matthias Mikolajskis Tochter Friederike, die 2010 beim Olympischen Jugendlager mit Rosi Mittermaier in Vancouver dabei war, setzt die Tradition wie auch die Kinder des Vereinschefs Thomas Mikolajski, die längst auch als Trainer im Verein aktiv sind,  nahtlos fort. Mit ihrem Vater, der Lehrer an der Grundschule am Fließtal ist, und 50 Schulkindern brach Friederike  am vergangenen Wochenende in den Bayerischen Wald auf. Dort unterstützt sie ihren Vater als Übungsleiterin. Die Familie Mikolajski kam übrigens kürzlich bei einem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgelobten Wettbewerb für im Sport engagierte Familien unter die ersten Zwölf. Die Schneehasen haben im Winter 1986/87 auch kräftig mit angepackt, als der Ski-Weltcup zum ersten und einzigen Mal in Berlin Station machte. Am 28. Dezember 1986 veranstaltete der Berliner Skiverband am Teufelsberg einen Parallelslalom, den übrigens überraschend der österreichische Abfahrtsspezialist Leonhard Stock gewann.

Der kleine Theo in Aktion.  Die Veranstaltung aber stellte sich im Nachhinein als Flop für den Berliner Skiverband heraus, man blieb auf einem satten Minus sitzen. „Und der Ruf des Skilaufs war in Berlin beschädigt“, erinnert sich Matthias Mikolajski, „Naturschützer hatten immer Bedenken gegen den Skihang am Teufelsberg geäußert, auf dem man unter Flutlicht bis 22 Uhr trainieren konnte, wenn denn Schnee lag. Der machte dann auch leider bald zu.“ Aber Skifahren in Berlin ist nicht nur wegen fehlender geeigneter Hügel, sondern auch  angesichts des Klimawandels ohnehin problematisch. Vorausplanen kann man nicht, Veranstaltungen ansetzen auch nicht. Vor zwei Jahren gab es eine im Freizeitpark Lübars, im Dezember 2010, als plötzlich so viel Schnee gefallen war, nahmen  die Schneehasen sofort Langlaufkurse ins Programm. Ansonsten bietet der Verein  in Zusammenarbeit mit dem Verband an Schneesporttagen für Berliner Schüler immer wieder Fahrten in die Skihalle Wittenburg an, die zwei Autostunden von Berlin entfernt Richtung Hamburg liegt.

Die Angebote haben sich stark verändert

Nordic Walking

Das Angebot der Schneehasen hat sich im Lauf der Jahrzehnte verändert. Von einem reinen Skiklub entwickelte man sich zu einem Breitensportverein, der Ganzjahres-Angebote macht. In Kooperation mit der Evangelischen Schule Frohnau, deren Halle die Schneehasen intensiv nutzen, hat man ein umfangreiches Kursprogramm entwickelt. Kindersport wird ebenso geboten wie Yoga oder Qigong, Gymnastik, Volleyball oder Badminton, Waldlauf oder Nordic Walking. Insbesondere im Bereich der Kinder bis acht Jahre ist die Nachfrage enorm. Zum Teil sind die Kurse voll und gibt es Wartelisten. Mit rund 1400 Mitgliedern sind die Schneehasen der größte Skiklub Berlins – mit großem Abstand. Der Berliner Skiverband hat insgesamt 2000 Mitglieder. Richard Müllers Idee war wahrlich nicht schlecht.

Fotos: Privat

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