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Berliner Feuerwehr möchte Aus- und Fortbildung nach TXL verlegen

Hat das Ausbilden unter schwierigen Bedingungen bald ein Ende?

Tegel/Heiligensee. Dass Bildung das A und O ist, gilt auch für die Berliner Feuerwehr.

Pläne der Berliner Feuerwehr

Die Qualität eines Feuerwehrmanns hängt von der Qualität seiner Ausbildung ab. Diese lässt an der Berliner Feuerwehrschule an der Ruppiner Chaussee 268 zu wünschen übrig. Die Gebäude sind alt und für die Ausbildung ungeeignet. Ein Brandübungshaus ist nicht vorhanden, und einige Übungen können gar nicht durchgeführt werden. Aus diesem Grund ist die Feuerwehr auf der Suche nach einem anderen geeigneten Ort für Aus- und Fortbildung – und wurde fündig: Ein Teil des Flughafen Tegel würde sich hervorragend als Standort eignen.

Der NORD-BERLINER sprach mit Harald Herweg, Leitender Branddirektor Aus- und Fortbildung und gleichzeitig Projektleiter der Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie, über die Pläne, auf das Gelände von TXL zu ziehen.

Derzeit befindet sich die Aus- und Fortbildung der Feuerwehrleute auf dem großen Gelände an der Ruppiner Chaussee 268, das auch von der Polizei genutzt wird. Ist das nicht ausreichend?

H. Herweg: Wir haben  mit diesem Standort ein richtig großes Problem. Lassen Sie mich für die Erklärung ein wenig in die Geschichte zurückgehen:

Harald HerwegVor etwa 30 Jahren ist die Feuerwehrschule, wie sie damals hieß, hier auf dieses Gelände gezogen. Vorher war sie in der Feuerwache Tegel angesiedelt, und zwar genau dort, wo sich jetzt das Feuerwehrmuseum befindet. Das war damals ein großer Fortschritt, denn man hatte mehr Platz, mehr Räume und gleich auch noch ein Übungsgelände vor der Tür. Das Unglückliche ist allerdings, dass sich das Gelände in den letzten drei Jahrzehnten überhaupt nicht weiterentwickelt hat. Es ist zwar an Übungseinrichtungen ein wenig dazu gebaut worden, aber das war grundsätzlich schon immer zu wenig und ist heute ganz weit weg von dem, was man als Stand der Technik bezeichnen könnte.

Was fehlt hier besonders?

H. Herweg: Es gibt kein Brandübungshaus und wir haben sogar ein Verbot, mit Löschschaum zu üben. Das heißt, wir können unsere Maschinisten oder unsere Angriffstruppmänner im Umgang mit Schaum nicht ausbilden, da das Abwasser mitten in die Landschaft fließt. Das ist aus Umweltschutzgründen gar nicht möglich. Auch die Nutzung des kleinen Containers, in dem Brände simuliert werden können, ist beschränkt. In der Baugenehmigung ist geschrieben, dass man uns diese Genehmigung entziehen kann, sobald sich angrenzende Anwohner oder Autofahrer auf der nahen Autobahn belästigt fühlen. Wir sind hier in einer ganz unsicheren Situation.

Das heißt, dass Sie eigentlich ausbilden sollen, aber bestimmte Ausbildungspunkte gar nicht durchführen können.

H. Herweg: Das ist unser Problem. Hinzu kommt noch, dass die Räume in dieser ehemaligen Kaserne gar nicht für Ausbildungszwecke ausgelegt sind. Sie sind viel zu klein. Die Gruppen mit maximal 24 Leuten sind hier eingepfercht, und das ist auch für den Lernerfolg nicht sinnvoll. Zudem ist die Anzahl der Aus- und Fortbildung immens gestiegen. Es hat sich vieles in den letzten 30 Jahren weiter entwickelt. So kannte man früher Ausbildungen, die wir heute machen, überhaupt nicht. Und auch die Räume stoßen an die Kapazitätsgrenzen – und sie stehen unter Denkmalschutz, können also baulich gar nicht verändert werden.

Wie viele Feuerwehrleute betrifft das?

H. Herweg: In dieser Serviceeinheit arbeiten rund 100 Leute, unter anderem als Ausbilder, Gerätewart oder in der Verwaltung. Und diese 100 Leute bilden sämtliche Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr aus. Das sind – wenn man die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr zusammen zählt – etwa 5000 Einsatzkräfte, die für Berlin verantwortlich sind. Und so sind pro Jahr rund 10000 Leute hier auf dem Gelände, um ihre Aus- und Fortbildung zu absolvieren. Auch aufgrund der hohen Zahl von Fort- und Auszubildenden benötigen wir dringend einen vernünftigen Standort mit einer modernen Aus- und Fortbildung. Aus diesem Grund wird es auch den nächsten Schritt geben, die Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie ins Leben zu rufen.

Was hat es damit auf sich?

H. Herweg: Eins steht fest: Wir wollen uns weiterentwickeln. Und Berlin als Hauptstadt mit der größten Feuerwehr Deutschlands steht auch im internationalen Fokus. Darauf müssen wir uns einstellen – und das ist das Ziel der Akademie.

Was hat sich noch verschlechtert?

H. Herweg: Nun, genau hinter dem Zaun unseres Übungsgeländes, einer ehemaligen Brachfläche am Kiefheider Weg, sind nun Einfamilienhäuser gebaut worden. Der Streifen als Sicht- und Lärmschutz ist nun weg, und somit hat sich unsere Situation noch weiter verschlechtert. Aus diesen unzähligen Gründen steht für uns fest: Die Serviceeinheit Aus- und Fortbildung braucht einen neuen Standort.

Warum wäre das ehemalige Gelände des Flughafens Tegel so optimal?

H. Herweg: Wenn man ein Anforderungsprofil für eine Feuerwehrschule erstellen würde, dann würden erstaunlicherweise viele Dinge auftauchen, die in Tegel bereits vorhanden sind. Unser größtes Manko ist das Fehlen einer Übungshalle. Ganz egal, ob es schneit, regnet oder stürmt, wir müssen auf dem Hof üben. Aber auf dem TXL-Gelände steht ein großer Hangar bzw. sogar zwei. Auch das Tanklager könnten wir nutzen, und zwar als Übungsanlage für Gefahrgut- und Umweltschutzeinsätze. Zudem würden wir die große Feuerwachen gerne besetzen – auch, um den Brandschutz und den Rettungsdienst auf diesem Areal sicherzustellen.

Sollten die Hangars und das Tanklager einmal abgerissen werden, dann würde das zudem teuer – nicht nur aufgrund der Bauweise der Hallen, sondern auch, weil sich unter dem Tanklager Altlasten befinden.

Würde das beispielsweise mit Plänen der Beuth-Hochschule kollidieren, die das Terminalgebäude aus Hochschulerweiterung nutzen wollen?

H. Herweg: Nein, ganz im Gegenteil: Alles könnten wir im Bereich der Feuerwache und der beiden Hangars sowie dem Gebäude ZK 3 und dem Tanklager unterbringen. Zudem haben wir gemeinsam mit der ehemaligen Technischen Fachhochschule, wie die Beuth-Hochschule früher hieß, gemeinsam Ingenieure ausgebildet und sind nach wie vor in Kontakt mit dem Hochschulpräsidium, um diese Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen. Der Standort wäre für uns also perfekt, und wir hoffen, dass bald eine für uns positive Entscheidung getroffen wird.

Herr Herweg, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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