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127 Zeichen gegen das Vergessen

von Redaktion

Verlegung von acht Stolpersteinen in Frohnau und Reinickendorf

Die drei Stolpersteine am E ichenhain erinnern an die ermordeten Frohnauer Max, Anna und Heinz Hornik. Ihr Haus mit der Nummer 37-41  gibt es heute nicht mehr.Foto: Flechtner
Die drei Stolpersteine am E ichenhain erinnern an die ermordeten Frohnauer Max, Anna und Heinz Hornik. Ihr Haus mit der Nummer 37-41 gibt es heute nicht mehr.Foto: Flechtner

Die Idee, die Steine aus Messing in den Gehweg am ehemaligen Wohnort, einer Klinik oder einem letzten Versteck eines Menschen einzuarbeiten, hatte der Künstler Gunter Demnig. Als Zeichen gegen das Vergessen, als Erinnerung an Menschen, die Widerstand leisteten, die verschleppt, inhaftiert und ermordet wurden, verlegt er europaweit diese besonderen Steine. Die drei Steine am Eichenhain 37 stehen für Max Mayer,  Anna Hornik und den Sohn Heinz Hornik. Max Hornik wurde am 29. September 1879 in Dynow in Galizien geboren. Er war jüdischen Glaubens. Er erlernte den Beruf des Kaufmanns und zog später nach Frohnau in die Lodystraße 41, die heutige Gollanczstraße 3. Er heiratete zweimal: Mit seiner ersten Frau Adele Serafine Kiesler hatte er einen Sohn namens Hermann Eberhard. Er studierte Medizin und wanderte in den 1930er Jahren in die USA aus. Die zweite Ehe ging Max Hornik mit Anna, geb. Cohn, ein. Sie war zehn Jahre jünger als Max und war in Berlin geboren worden. Ihre Eltern waren der Kaufmann Israel Cohn und Hausfrau Friederike Cohn, geb. Lewin. Auch sie waren jüdischen Glaubens.
Anna erlernte den Beruf der Schneiderin und gründete 1913 eine eigene Firma für Damenkonfektion in der Reinickendorfer Straße 95. Ihr Geschäft konnte Anna offensichtlich erfolgreich bis 1939 betreiben, die letzte Firmenanschrift lautete die vornehme Leipziger Straße 67.
Anna heiratete den Kaumann Max Hornig und zog zu ihm nach Frohnau in die Lodystraße 41. Zusammen hatten Anna und Max einen Sohn: Heinz wurde am 19. Oktober 1910 geboren. Anfang der 1930er Jahre bauten Max und Anna ein Haus in Frohnau, und zwar Am Eichenhain 37-41. Dieses Haus musste die Familie später verlassen und wurde in ein so genanntes Judenhaus in der GroߟŸen Frankfurter Straße zwangseingewiesen.
Zusammen mit seiner Frau und weiteren 1042 Personen wurde Max Hornig am 25. Januar 1942 mit dem 10. Osttransport vom Bahnhof Berlin-Grunewald nach Riga deportiert. Der Transport "€žfand in gedeckten Güterwagen statt, sodass die Teilnehmer vollkommen ungeschützt dem Einfluss der immer noch herrschenden Kältewelle ausgesetzt waren"€œ, heißt es im Buch "€žDie Judendeportationen"€œ von Gottwald/Schulle (2005). Weiter heißt es: "€žDas führte dazu, dass bei der Ankunft in Riga bereits viele erfroren, andere durch die Kälte sehr stark geistig verwirrt waren und beim Ausladen in Riga-Skirottava sofort erschossen wurde. (...) Nur 13 Deportierte überlebten."€œ Max und Anna Hornik gelten als verschollen.
Sohn Heinz litt schon als Kind unter Anfällen und war schwer erziehbar. Er verlieߟ mit 14 Jahren die Schule, und war in der Heilanstalt Wuhlgarten. 1925 wurde eine vorläufige Fürsorgeerziehung angeordnet.
Am 31. Oktoer 1931 wurde er wegen Geistesschwäche entmündigt und sein Vater als Vormund eingesetzt. 1934 wurde Heinz Hornik sterilisiert. Er lebte dann weiter bei seinen Eltern in Frohnau und erlernte den Beruf des Gärtners, war aber dann als Arbeiter in der Bau- und Möbeltischlerei Wilhelm Albetzki in Spandau beschäftigt. Wegen fehlender Papiere geriet Heinz mit seinem Arbeitgeber in Streit, der in einer tätlichen Auseinandersetzung eskalierte. Für Heinz Hornik wurde deshalb am 8. Dezember 1941 eine Einweisung in die Wittenauer Heilstätten angeordnet. Er kam am 17. April 1942 in die Landesanstalt Brandenburg-Görden.
Da alle in einer Heilanstalt untergebrachten Juden 1944 in eine zentrale Pflegeanstalt verlegt werden sollten, wurde er am 2. November 1944 an einen unbekannten Ort verlegt. Nach den Unterlagen aus Görden führte die Gestapo den Abtransport durch. ܜber das weitere Schicksal ist nichts bekannt.
Im Hademarscher Weg 9 in Heiligensee wurde ein Stolperstein für Anna Rosalie Rochwitz verlegt, die am 24. September 1887 unter dem Mädchennamen Schindler geboren und am 10. Dezember 1943 in der Heilanstalt Obrawalde ermordet wurde.
Auch für Rudolf Eugen Grieb wurde am Montag ein Stolperstein verlegt, und zwar am Eichborndamm 24, seiner letzten Adresse.
Er wurde am 7. November 1904 in Vaihingen (Stuttgart) geboren, erlernte den Beruf des Mechanikers und war später in seinem Beruf oder als Maschinenschlosser tätig. Verheiratet war er mit Frieda Grieb, geb. Bielefeld, und hatte von ihr einen Stiefsohn, der sieben Tage vor Rudolf Griebs Hinrichtung als Soldat gefallen ist. Zuletzt arbeitete Rudolf Grieb bei den Deutschen Waffen- und Maschinenwerken (DWM) in Borsigwalde als Maschinenschlosser und gründete dort mit anderen eine illegale Betriebsgruppe der KPD. Er selbst gehörte jedoch keiner Partei an. Man knüpfte zu anderen illegalen Gruppen Kontakte, sammelte Geld und Informationen und veröffentlichte Flugblätter gegen den Krieg und den Nationalsozialismus. Spitzel der Gestapo unterwanderten die Gruppe.
Am 4. Februar 1942 wurden die Mitglieder der Gruppe verhaftet. Grieb wurde zunächst in der Strafanstalt Landsberg inhaftiert und von dort verlegt nach Plötzensee und dann in das KZ Sachsenhausen. Am 15. Februar 1944 wurde gegen ihn und 13 Mitangeklagte die Anklage erhoben.
Grieb wurde beschuldigt, er sei staatsfeindlich eingestellt und habe in der Kantine der DWM "€žstaatsfeindliche Gespräche"€œ mit Kollegen geführt. Im Januar 1942 soll er bei einem Treffen mit Walter Budeus die "€žBildung einer örtlichen und Reichs-Organisationsleitung"€œ sowie die "€žSchaffung einer neuen deutschen Regierung unter Beteiligung deutscher Emigranten"€œ vorbereitet haben. AuߟŸerdem wurde er des Transports eines Abzugsapparates und der Mitherstellung von 80 Abzügen des Informationsdienstes "€“ eines Mitteilungsblattes mit Berichten über die Rüstungsproduktion und die politische Stimmung in der Bevölkerung "€“ beschuldigt.
Bis auf einen wurden alle Angeklagten am 7. Juni 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Rudolf Grieb wurde am 21. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg"€“Görden ermordet. Auch für Walter und Frieda Antonius sowie für Friedas Vater Ludwig Sabat wurden am Montag drei Stolpersteine am Eichborndamm 84 verlegt: Walter Antonius wurde am 14. November 1912 in Berlin geboren. Von Beruf war er Autoschlosser. Er lebte mit seiner Frau Frieda, geb. Sabat, bei seinem Schwiegervater in der Eichbornstr. 84, dem heutigen Eichborndamm. Walter Antonius war jüdischen Glaubens.
Nachdem seine Frau am 1. März 1943 von der Gestapo festgenommen wurde, tauchte Walter Antonius unter und lebte bis zum Oktober 1944 illegal in Berlin. Am 12. Oktober 1944 wurde auch er durch die Gestapo festgenommen und in das Sammellager Schulstraße 78 in Berlin N65 eingeliefert.
Noch am gleichen Tag wurde Walter Antonius mit dem 58. Osttransport zusammen mit 31 weiteren Menschen nach Auschwitz deportiert. Nach seiner Ankunft wurde er nicht gleich ermordet, sondern als Häftling in das Lager aufgenommen. Am 30. Oktober 1944 wurde Walter Antonius vom KZ Auschwitz zum Arbeitskommando Niederorschel im KZ Buchenwald überstellt, später kam er ins Hauptlager. Walter Antonius gilt als verschollen.
Seine Frau Frieda wurde am 28. Januar 1909 unter dem Mädchennamen Sabat in Wedding geboren. Sie war jüdischen Glaubens und als Arbeiterin bei den Siemens- Schuckert-Werken beschäftigt. Vermutlich im Zusammenhang mit der so genannten "€žFabrik-Aktion"€œ wurde Frieda Antonius Ende Februar durch die Gestapo festgenommen und in das Sammellager Berlin-Mitte, GroߟŸe Hamburger Str. 26, gebracht.
Am 1. März 1943 wurde Frieda Antonius zusammen mit 1721 Personen mit dem 31. Osttransport nach Auschwitz deportiert. Mit diesem Transport setzte die letzte "€žgroße"€œ Transportwelle von Juden aus dem Deutschen Reich ein. Nur zwölf Menschen aus diesem Transport haben überlebt. Frieda Antonius gilt als verschollen. Friedas Vater Ludwig Sabat wurde am 15. August 1878 in Wien geboren. Von Beruf war er Klempnermeister. Er war jüdischen Glaubens. Wann genau Ludwig Sabat nach Berlin zog, ist nicht bekannt. 1936 kaufte Ludwig Sabat ein Haus in der Eichbornstraße 84, in dem er dann nachweislich bis 1939 lebte. Der Wohnort zwischen 1939 und 1943 ist nicht belegt. Ludwig Sabat wurde am 28. Juni 1943 mit dem "€ž39. Osttransport"€œ zusammen mit 314 weiteren Menschen von Berlin nach Auschwitz deportiert. Er starb im November 1943 in Auschwitz. fle

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